Bereits in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts untersuchten deutsche Arbeitsphysiologen wie Otto Graf am Max-Planck-Institut für Arbeitsphysiologie in Dortmund, wie sich die menschliche Leistungsfähigkeit über Schichten hinweg verändert. Diese Erkenntnisse flossen in das bekannte REFA-Modell der biologischen Leistungskurve ein, das bis heute in der Arbeitsgestaltung und Ergonomie gelehrt wird.
Die physiologische Leistungskurve zeigt zwei markante Hochphasen und ein physiologisches Zwischentief am Nachmittag.
Die vier Phasen der REFA-Leistungskurve
| Tageszeit | Leistungsniveau | Typische mentale Verfassung | Empfohlene Art der Arbeit |
|---|---|---|---|
| 08:30 – 11:30 | Maximum (Peak 1) | Höchste Merkfähigkeit, minimale Fehlerquote, starker Fokus | Analytische Aufgaben, komplexe Konzepte, Prüfungsvorbereitung |
| 12:30 – 14:30 | Tiefstand (Mittagstief) | Verlangsamte Reaktion, erhöhte Ablenkbarkeit, Müdigkeit | Pause, Gehen, Ablage, monotone Routine, Postausgang |
| 15:30 – 18:00 | Zweithoch (Peak 2) | Gute Denkfähigkeit, offene Kommunikation, kreative Weite | Meetings, Kundenberatung, Brainstorming, Planung |
| 19:00 – 22:00 | Stetiger Abfall | Nachlassen exekutiver Funktionen, steigender Schlafdruck | Freizeit, Lesen, Feierabend, keine harten Deadlines mehr |
Warum Multitasking die Kurve ruiniert
Ein entscheidender Faktor, den die ursprüngliche Arbeitsphysiologie noch nicht in heutiger Härte kannte, ist die permanente digitale Unterbrechung. Wer während seines morgendlichen 09:30-Uhr-Peaks alle vier Minuten E-Mails, Slack-Nachrichten oder Smartphone-Pings prüft, erzeugt sogenannten Attention Residue (Aufmerksamkeitsrückstände).
Das Gehirn bleibt gedanklich bei der vorangegangenen Nachricht hängen. Das hochpotente Vormittagsfenster verpufft so in Ineffizienz – und gegen 13:00 Uhr tritt das Tief mit doppelter Wucht ein.
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